Gemeinsame Obsorge

Wenn die Eltern sich trennen, stellt das auch für die Kinder eine extreme Belastung
dar. Streit, Rosenkriege, gerichtliche Auseinandersetzungen, Verwendung der Kinder als „Waffe“ – all die Auswirkungen einer gescheiterten Beziehung müssen die Sprösslinge genauso mit(er)leben.

Ziel muss sein, diese Belastungen weitgehendst zu minimieren. Wenn Partner sich trennen, haben sie trotzdem weiterhin Eltern-Verantwortung gegenüber ihren Kindern. Ein Weg dazu ist es, die gemeinsame Obsorge zur Regel zu machen.
Bei einer Trennung muss das Recht des Kindes auf gemeinsame Obsorge beider Elternteile gesetzlich verankert sein. Das Bedürfnis des Kindes nach engem, guten Kontakt zu beiden Eltern muss berücksichtigt werden.

Die persönlichen Entscheidungen der Eltern dürfen sich nicht zum Nachteil des Kindes auswirken

Nur schwerwiegende Gründe, die dem Kindeswohl eindeutig schaden, rechtfertigen einen Entzug der Obsorge.

Wussten Sie, dass … vor kurzem das Recht des Kindes auf beide Elternteile in der Verfassung verankert wurde?

Studien zufolge muss aus pädagogisch-entwicklungspsychologischen Perspektiven die gemeinsame Obsorge als Standardmodell gesehen werden, da sie für eine günstige seelische Entwicklung der Kinder die besten Rahmenbedingungen bietet.

Aus einer Evaluierungsstudie des BMJ aus dem Jahr 2005 geht hervor, dass im Untersuchungszeitraum in 53% der Fälle die Möglichkeit einer freiwilligen gemeinsame Obsorge in Anspruch genommen wurde

Positive Auswirkungen sind vor allem die schnellere Beruhigung des Konfliktniveaus, Normalisierung des Besuchsrechtes und eine positive Auswirkung auf die Zahlung des Kindesunterhaltes. Es besteht häufigerer Kontakt der Kinder mit dem getrennt lebenden Elternteil, eine hohe Zufriedenheit mit der Obsorge beider Eltern und eine zehnfach niedrigere Kontaktabbruchsrate.

Wussten Sie, dass … Vaterlosigkeit einen der drei Hauptgründe  darstellt, dass junge Männer kriminell werden?

Übrigens: Aus einer Studie des Institutes für Forensische Psychiatrie der Uni Salzburg aus dem Jahr 2008 geht auch hervor, dass 40% der jugendlichen Straftätern, deren Eltern sich getrennt hatten, keinen Kontakt zum Vater hatten. Laut dem Bewährungshilfeverein „Neustart“ ist Vaterlosigkeit einer von drei Hauptgründen, warum junge Männer kriminell werden. Eine automatische gemeinsame Obsorge würde auch diesem Umstand entgegen wirken.

Die gemeinsame Obsorge stellt nicht nur die Gleichberechtigung der Eltern sicher, sie ist in erster Linie das Recht der Kinder.

Was bringt die gemeinsame Obsorge?

 

 

  • Konfliktniveau wird schneller beruhigt
  • Ausübung des Besuchsrechtes schneller geregelt
  • Höhere Kontaktrate des Kindes mit dem getrennt lebenden Elternteil
  • Kontaktabbruchsrate auf ein Zehntel gesenkt
  • Besserer Austausch zwischen den getrennt lebenden Eltern bzgl Kindesentwicklung
  • Alimentationszahlungsmoral wird positiv beeinflusst

 

OBSORGE BEI UNEHELICHEN KINDERN

 

Wird ein Kind in einer unehelichen Lebenspartnerschaft geboren, hat der Vater grundsätzlich keine Obsorge. Es ist jedoch möglich, die gemeinsame Obsorge zu vereinbaren. Dazu müssen beide Elternteile beim zuständigen Bezirksgericht mündlich eine Erklärung abgeben und genehmigen lassen. Wenn zum Zeitpunkt der Geburt kein gemeinsamer Wohnsitz vorliegt, liegt die alleinige Obsorge für das Kind ebenfalls bei der Mutter. Möchte der Kindesvater die gemeinsame Obsorge, ist er ebenso auf das Wohlwollen der Kindesmutter angewiesen. Beide Elternteile müssen beim zuständigen Bezirksgericht die gemeinsame Obsorge (s.o.)  beantragen.

Es funktioniert!

Vorreiter Frankreich zeigt seit 1993 ein modernes kindgerechtes Familienrecht. Hier haben nach der Scheidung die Eltern weiterhin die gemeinsame Obsorge aus. Das gleiche gilt für Unverheiratete, und zwar unabhängig davon, ob sie zusammenleben oder nicht.Wenn das Interesse des Kindes dies verlangt, kann das Gericht die elterliche Sorge einem Elternteil alleine zuweisen. Trotzdem bleiben Besuchsrecht und das Recht, über wichtige Entscheidungen, die das Leben des Kindes betreffen, informiert zu werden.

In Belgien haben seit 1995 nach einer Scheidung die Eltern gemeinsame Obsorge. Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet und das Kind vom Vater gesetzlich anerkannt, üben sie ebenso die gemeinsame Obsorge aus. Wie bei der Scheidung, kann das Gericht bei schwerwiegenden Vergehen die elterliche Sorge einem Elternteil allein zuweisen.

Seit 1998 gilt in Deutschland das neue Kindschaftsrecht. Gemeinsame Obsorge ist der gesetzliche Regelfall nach einer Scheidung. Das Gericht entscheidet nur dann, wenn ein Elternteil für sich das alleinige Sorgerecht beantragt. Er muss dabei nachweisen, dass die gemeinsame Obsorge dem Kindeswohl abträglich ist. Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, steht ihnen die elterliche Sorge gemeinsam zu, nachdem sie notariell oder beim Jugendamt eine gemeinsame Erklärung abgeben.

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