Schluss mit der skrupellosen Ausbeutung Behinderter im Job!

waageIch bin seit 2014 Mitglied im parlamentarischen Volksanwaltschaftsausschuss. Eine weitere Gelegenheit für mich, hinter die Kulissen unserer Sozialgesellschaft zu sehen. Wobei mir nicht immer gefällt, was ich da zu sehen bekomme…

Beispielsweise störe ich mich sehr daran, dass in Österreich behinderte Menschen am Arbeitsplatz ausgebeutet werden. Ich habe selbst im Bekanntenkreis einen behinderten Menschen, der für seine Arbeit in einem Supermarkt 100 Euro „Taschengeld“ erhält. Pro Monat versteht sich…!!
Diese Ausbeutung Behinderter dürfte gar nicht sein. Denn: Österreich ist seit 26.10.2008 Vertragspartner der UN-Behindertenrechtskonvention und ist daher sogar verpflichtet, gleiche Rechte für Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt umzusetzen. Es darf laut Art 27 bei Einstellungs- und Beschäftigungsbedingungen keine Diskriminierung vorliegen bzw. muss bei gleichwertiger Arbeit gleiches Entgelt bezahlt werden.

Jetzt steigt auch die Volksanwaltschaft auf die Barrikaden. In der bekannten TV-Sendung „Bürgeranwalt“ wurde anhand von drei Schicksalen gezeigt, wie mit Behinderten in sogenannten Tagesstrukturen umgegangen wird. So erhält ein in einem Diakoniewerk beschäftigter Behinderter, der diverse Artikel für Weihnachtsmärkte herstellt, gerade einmal 82,80 Euro netto pro Monat.
Unter dem Titel „Taschengeld“, denn der fleißige Mitarbeiter ist – mit Ausnahme einer Unfallversicherung – nicht sozialversichert. Er hat keine  Krankenversicherung und kann auch keine Pension erwerben. Was ihn außerdem seelisch sehr schmerzt, ist die fehlende Wertschätzung seiner Arbeit, mit der er aus eigener Kraft weder sich selbst noch seine Familie ernähren kann.
Eine untragbare Situation, wegen der ich bereits eine parlamentarische Anfrage an den Sozialminister Hundstorfer gerichtet habe. Ich fordere neben einem eigenen Arbeitsvertrag für Menschen in Behindertenwerkstätten auch eine umfassende sozialversicherungsrechtliche Absicherung.

Fadenscheinige Ausreden, es würden bereits zahlreiche Projekte für Behinderte initiiert, lasse ich nicht gelten. Nur eine vollständige soziale Absicherung mit angemessenem Lohn verhindert, dass Behinderte in geschützten Werkstätten finanziell ausgenützt werden und sich nach ihren schweren Schicksalsschlägen auch noch persönlich minderwertig fühlen. Es muss Schluss sein mit dieser Ausbeutung!

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